Offizier und Widerstandskämpfer
Hans-Ulrich von Oertzen gehörte zum Kern der Verschwörer des 20. Juli 1944. Seine anfängliche Sympathie für den Nationalsozialismus war einer zunehmend ablehnenden Haltung zum Krieg und zur Führung gewichen.
Geboren wurde Hans-Ulrich von Oertzen am 6. März 1915 in Berlin. Sein Vater war als Offizier im Ersten Weltkrieg gestorben. Die Mutter zog den Jungen allein auf dem Gut ihres Bruders im mecklenburgischen Ort Rattey groß.
Der junge von Oertzen folgte der Tradition seiner Adelsfamilie. Er trat nach seinem Abitur in die Reichswehr ein. Wohl auf Grund seiner organisatorischen Fähigkeiten, seiner Hilfsbereitschaft und seines Improvisationsvermögen wurde er während des zweiten Weltkriegs rasch befördert. Seine militärische Laufbahn führte ihn nach einem entsprechenden Lehrgang zum Generalsstab der Heeresgruppe Mitte unter Oberst Henning von Tresckow.
Von Tresckow plante, Hitler durch ein Attentat zu töten. Zusammen mit Stauffenberg, dem Chef des Stabes im Allgemeinen Heeresamt in Berlin, arbeitete Oertzen an der „Walküre“-Planung mit.
Im Mai 1943 verlobte er sich heimlich mit Ingrid von Langenn-Steinkeller, denn Ingrids Vater war über eine Beziehung in Kriegszeiten nicht sehr begeistert. Am 26. März 1944 fand in Bellin die Hochzeit statt. Von Oertzen glaubte an das Gelingen des Attentats.
Am Tag des Umsturzes stand er als Verbindungsoffizier für den Wehrkreis III (Berlin) zur Verfügung. Hans Ulrich von Oertzen gab am 20. Juli 1944 die ersten „Walküre“- Befehle weiter.
Einen Tag nach dem Scheitern des Attentats wurde er im Gebäude des Wehrkreiskommandos Berlin von den dort tätigen Offizieren verhört. Er konnte sich jedoch vor dem Eintreffen der Gestapo mit einer Sprenggranate selbst töten.
In der Dorfkirche von Rattey erinnert eine Gedenktafel an Hans-Ulrich von Oertzen.
Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Literatur
Lars-Broder Keil: Hans-Ulrich von Oertzen. Offizier und Widerstandskämpfer. Ein Lebensbild in Briefen und Erinnerungen. Berlin 2005.